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Gefahren durch Hacker und Wirtschaftsspione


In den meisten DAX-Firmen fehlt ein durchgängiges Konzept für die Informationssicherheit
Die Experten empfehlen, die für die Sicherheit Zuständigen ähnlich wie die Compliance-Verantwortlichen außerhalb der IT-Abteilung anzusiedeln – beispielsweise neben dem Revisionswesen

(11.07.12) - Die großen deutschen Unternehmen vernachlässigen das Thema Informationssicherheit, wie eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zeigt. Die meisten Organisationen verfolgen keine ganzheitliche Strategie, um ihre Daten und ihr Know-how zu schützen. Stattdessen verlassen sich die Verantwortlichen häufig auf technische Einzellösungen, die aber immer nur einen Teil der Gefahr abwehren können. Daneben fehlen in vielen Unternehmen die organisatorischen Voraussetzungen für eine wirksame Informationssicherheit "Das Thema Informationssicherheit hat trotz der Zunahmen an Hacker und Wirtschaftsspionageangriffen noch nicht den Stellwert im Management", sagt Michael Römer, Partner bei A.T. Kearney und Experte für IT-Strategie.

A.T. Kearney untersuchte die Jahresberichte der 30 DAX-Unternehmen. Das Ergebnis: 27 Firmen widmen sich zwar explizit dem Thema Informationssicherheit. Die im Bericht genannten Schutzmaßnahmen deuten aber auf ein veraltetes Sicherheitsverständnis hin. Meist werden allein technische Einzelmaßnahmen dokumentiert – wie etwa der Einsatz von Antiviren-Software oder der Aufbau redundanter Systeme. Ein durchgängiges und ganzheitliches Konzept lässt sich in den meisten Fällen nicht erkennen. "Lediglich jeder zehnte Bericht ist dazu geeignet, wirkliches Vertrauen aufzubauen", sagt Dr. Boris Piwinger, Experte für Informationssicherheit bei A.T. Kearney.

Lesen Sie zum Thema "IT-Sicherheit" auch: IT SecCity.de (www.itseccity.de)

Dabei stehen Deutschlands Unternehmen zunehmend im Visier von Wirtschaftsspionen, die es auf Informationen wie Marketingpläne, Kundenlisten oder Entwicklungsdaten abgesehen haben. "Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens jedes vierte Unternehmen bereits Opfer eines Computerangriffs wurde. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass 95 Prozent aller Unternehmen weltweit gegenwärtig angegriffen werden oder massiv verwundbar sind", sagt Piwinger. Auf 50 Milliarden Euro beziffert das Bundesministerium des Inneren den jährlichen Schaden in Deutschland durch Industriespionage.

"Weil sich Unternehmen aber nach wie vor scheuen, Fälle von Wirtschaftsspionage und Hackerangriffen publik zu machen, wirkt die Bedrohung kleiner als sie tatsächlich ist", so Piwinger. "Dadurch fehlt vielen Entscheidern insgesamt eine Sensibilität für die Größe des Problems."

Das Internet dient laut BKA mittlerweile in einem Viertel aller Fälle den Wirtschaftskriminellen als Tatmittel. Dennoch investieren die Unternehmen kaum in die Abwehr von Cyberangriffen und Wirtschaftsspionen. Die Ausgaben, um IT-Systeme gegen Angriffe von außen abzusichern, summieren sich lediglich auf 2,5 Milliarden Euro in Deutschland – also nicht einmal vier Prozent der Gesamtausgaben für Informationstechnologie. "Heute sind die Angriffe individuell auf das Opfer zugeschnitten und verwenden Methoden, die mit den klassischen Werkzeugen nicht abgewehrt werden können. Diese neue Realität erfordert, verstärkt auf Erkennung und Abwehr laufender Angriffe zu setzen", beschreibt Piwinger die größte Schwachstelle.

Doch nicht nur auf der Technologieebene tun die Unternehmen zu wenig. Auch organisatorisch schaffen sie nicht die Vorrausetzungen dafür, Bedrohungen im Digitalzeitalter wirksam entgegenzutreten. "Die meisten Sicherheitsverantwortlichen sind heute noch Teil der IT-Abteilung und oft auch nur auf der Sachbearbeiter-Ebene angesiedelt", berichtet Michael Römer, Partner bei A.T. Kearney. Die Experten empfehlen, die für die Sicherheit Zuständigen ähnlich wie die Compliance-Verantwortlichen außerhalb der IT-Abteilung anzusiedeln – beispielsweise neben dem Revisionswesen. "Derjenige, der sich um die Informationssicherheit kümmert, muss dem CIO auf Augenhöhe begegnen und kritische Fragen stellen können", so Römer.

A.T. Kearney rät außerdem dazu, in einem Assessment die wertvollen Daten im Unternehmen zu identifizieren und die Frage, wie sie abgesichert werden können, als strategisch und geschäftskritisch einzustufen. Informationssicherheit sollte als ganzheitliche Funktion betrachtet und über die Abteilungsgrenzen hinweg angegangen werden. (A.T. Kearney: ra)

A.T. Kearney: Kontakt und Steckbrief

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Meldungen: Studien

  • Purpose-relevante Imagedimensionen

    Die meisten deutschen Unternehmen, Medienmarken und Institutionen könnten sich glaubwürdig über einen gesellschaftlich relevanten Daseinszweck positionieren. Das zeigt die neue "Purpose Readiness"-Studie der Managementberatung Globeone. Fast drei Viertel (72 Prozent) der branchenübergreifend untersuchten 96 Marken schneiden im "Purpose Readiness Index" (PRI) gut oder sehr gut ab. Die überwiegend deutschen Organisationen verfügen über eine gute Ausgangsbasis, um Themen wie Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit erfolgreich gegenüber Mitarbeitern, Konsumenten und der kritischen Öffentlichkeit kommunizieren zu können. Insbesondere die großen Parteien, einige Medienmarken sowie spezifische Branchen wie beispielsweise Wohnungsbaukonzerne weisen jedoch erhebliche Reputationsprobleme auf. Sie schaffen es nicht, in Purpose-relevanten Imagedimensionen positiv in der öffentlichen Wahrnehmung anzukommen. Für die repräsentative Studie hat Globeone über ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut mehr als 3.000 deutsche Konsumenten zwischen 18 und 65 Jahren befragen lassen, inwiefern bestimmte Purpose-relevante Attribute zu den Marken passen. Der auf Basis der Befragungsergebnisse erstellte Purpose Readiness Index (PRI) zeigt auf einer Skala von eins bis hundert und in vier Stufen an, wie glaubwürdig die jeweiligen Unternehmen oder Institutionen einen gesellschaftlich relevanten Unternehmenszweck in der öffentlichen Wahrnehmung vertreten können. Zunehmend wächst der Druck, sogenannte ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) im Unternehmenszweck zu berücksichtigen und Nachhaltigkeit sowie verantwortungsbewusste Unternehmensführung vertrauenswürdig nach außen und innen zu kommunizieren.

  • Online-Handel & Datensicherheit

    Einzelhändler müssen im Online-Handel in Datensicherheit investieren und so Vertrauen schaffen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle weltweite Studie "From Bricks to Clicks: Der Stand mobiler Technologien im Einzelhandel 2021" des IoT- und Mobile-Management-Experten SOTI. Nur 40 Prozent der in Deutschland befragten Verbraucher (45 Prozent weltweit) haben das Gefühl, dass sowohl ihre persönlichen Daten als auch ihre Zahlungsdaten stets sicher sind, wenn sie online einkaufen. Für die Studie wurden 6.000 Verbraucher aus acht Ländern (Deutschland, USA, Kanada, Mexiko, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Australien) befragt. Einzelhändler stehen nicht nur vor der Herausforderung, die digitale Transformation schnellstmöglich voranzutreiben, sie müssen ihren Kunden dabei auch umfassende Datensicherheit bieten. Hinsichtlich des Vertrauens beim Online-Shopping lässt sich ein Unterschied zwischen großen und kleinen Einzelhändlern feststellen. So vertraut die Hälfte der deutschen Befragten (50 Prozent; 59 Prozent weltweit) großen und bekannten Online-Händlern, dass sie die persönlichen Daten ihrer Kunden sicher aufbewahren. Das Vertrauen in kleine Unternehmen ist hingegen begrenzt. Jeder Dritte (36 Prozent) ist unsicher, ob kleine Einzelhändler in der Lage sind, ihre persönlichen Daten und ihre Zahlungsdaten sicher aufzubewahren - weltweit ist es sogar fast jeder Zweite (47 Prozent).

  • Entscheidung für einen Job-Wechsel

    Knapp die Hälfte der Nutzer informiert sich online über Bewertungen von Arbeitgebern - und viele lassen sich bei der Job-Suche davon beeinflussen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom von mehr 1.000 Personen in Deutschland ab 16 Jahren. Demnach haben sich 47 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer schon einmal online über Bewertungen von Arbeitgebern informiert, etwa auf Portalen wie kununu.com, meinchef.de oder glassdoor.de. Seit 2018 ist die Zahl derjenigen, die sich auf Online-Plattformen informieren, um elf Prozentpunkte gestiegen. Vor drei Jahren informierten sich noch 36 Prozent darüber, wie aktuelle und ehemalige Angestellte ein Unternehmen bewerten. Für berufstätige Internetnutzerinnen und -nutzer sind Arbeitgeber-Bewertungen im Netz besonders interessant: Hier sagt eine knappe Mehrheit (52 Prozent), dass er oder sie im Internet entsprechende Bewertungen liest. "Online-Rezensionen spielen in der Arbeitswelt eine ähnliche Rolle wie beim Online-Shopping. Eine gute Bewertung kann die Entscheidung für einen Job-Wechsel maßgeblich beeinflussen - und die Bedeutung wird immer größer", sagt Bitkom-Arbeitsmarkt-Expertin Adél Holdampf-Wendel.

  • Bekämpfung von Finanzkriminalität

    Ergebnisse aus der Fico Studie zeigen, dass im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 vor allem die Remote-Arbeit als hinderlich bei der Bekämpfung der Finanzkriminalität wahrgenommen wird - für 64 Prozent eine große Herausforderung. 57 Prozent der Befragten in Deutschland sind überzeugt, dass es vor allem an entsprechendem Fachpersonal fehlt, um Finanzkriminalität wirksam zu bekämpfen. Im Rahmen einer Studie, die die unabhängigen Marktforscher von OMDIA im Auftrag von Fico durchgeführt hatten, gaben insgesamt 64 Prozent der befragten Führungskräfte deutscher Banken an, dass vor allem die Arbeit aus dem Homeoffice und die - in vielen Fällen - damit einhergehende schlechte Anbindung an entsprechende Ressourcen ein großer Stolperstein für effektive Finanzkriminalitätsbekämpfung ist.

  • Sicherer Einsatz von Verhaltensbiometrie

    BehavioSec veröffentlichte eine neue Untersuchung, die zeigt, dass Unternehmen und Verbraucher sich und ihre digitalen Identitäten mit dem breiteren Einsatz von Verhaltensbiometrie online besser absichern können. Nachdem sowohl die Gesellschaft als auch Unternehmen im vergangenen Jahr immer stärker die Auswirkungen der digitalen Transformation zu spüren bekommen haben, werden Forderungen nach einer besseren Online-User-Experience und einem stärkeren Schutz digitaler Identitäten immer lauter. Gleichzeitig gilt es, konform mit neuen Gesetzesvorschlägen und Urteilen wie EU Schrems II zu sein. Die Untersuchung zeigt, wie verhaltensbiometrische Daten transparent, mit klarem Nutzen und in Übereinstimmung mit den umfassenden Datenschutzgesetzen eingesetzt werden können. Dazu gehören Maßnahmen wie die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die PSD2/SCA der Europäischen Kommission und ihr Open-Banking-Mandat, der California Consumer Privacy Act (CCPA) und ähnliche Anforderungen von in anderen Regionen vorgeschlagenen Regelungen.