Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa » Europäische Kommission

Kriminelle Machenschaften in der Fischerei


Wissenschaftler der Europäischen Kommission veröffentlichen Bericht über neue Technologien zur Bekämpfung von Betrug in der Fischerei
Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Fischerzeugnissen und zur Bekämpfung illegaler Fischereipraktiken


(06.06.11) - Preiswerte Welsfilets, die als teure Seezungenfilets verkauft werden, oder in der Nordsee gefangener Kabeljau, der als aus der Ostsee stammend deklariert wird – beides Beispiele für Betrug im Fischereisektor. In einem veröffentlichten Bericht der Europäischen Kommission wird dargestellt, wie molekulare Technologien, die sich auf Genetik, Genomik, Chemie und Forensik stützen, klare Antworten auf Fragen geben können wie "Aus was für einem Fisch ist dieses Produkt hergestellt? Wo wurde der Fisch gefangen? Handelt es sich um Wildfisch oder Zuchtfisch?"

Der Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission (JRC) mit dem Titel "Deterring illegal activities in the fisheries sector" beschreibt, wie entsprechende Technologien zur Bekämpfung illegaler Praktiken beitragen und die Rückverfolgbarkeit "vom Meer bis auf den Teller“ erleichtern können, selbst bei verarbeiteten Erzeugnissen wie Fischkonserven.

Vorgestellt wurde der Bericht von Maria Damanaki, EU-Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei, auf der "Slow-Fish"-Messe in Genua: "Der Umfang illegaler Fischerei wird weltweit auf 10 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Dabei handelt es sich um kriminelle Machenschaften, die sich nachteilig auf die globale Wirtschaft auswirken, Meeresökosysteme gefährden und Fischereigemeinden wie Verbraucher schädigen. Ohne Einhaltung der Vorschriften in Gewässern der EU und anderenorts kann es keine nachhaltige Fischerei geben. Die Herausforderung besteht nun darin, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse europaweit in die tägliche Praxis umzusetzen."

Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft und zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle ("Joint Research Centre", JRC), äußerte sich wie folgt: "Dieser wichtige, von den Wissenschaftlern der kommissionseigenen JRC ausgearbeitete Bericht beschreibt, wie ein breiterer und besser koordinierter Einsatz innovativer molekularer Technologien helfen kann, Betrug in der Fischerei zu vereiteln und sicherzustellen, dass die Verbraucher das bekommen, wofür sie bezahlen, und dass sie wissen, was sie essen."

Die Auszeichnung von Fisch und Fischerzeugnissen mit falschen Artennamen oder die falsche Deklarierung der geografischen Herkunft sind zwei gängige Betrugspraktiken in der Fischerei. Der Bericht zeigt auf, wie molekulare Methoden, beispielsweise DNA-basierte Technologien, es ermöglichen, selbst bei verarbeiteten Erzeugnissen eine Bestimmung der Art vorzunehmen, ohne dass hierfür Expertenwissen erforderlich wäre. Molekulare Technologien sind somit ein effektives Instrument für die Durchführung unabhängiger Kontrollen und können Überprüfungsverfahren, insbesondere die so genannte "physische Kontrolle" von Sendungen, Erzeugnissen, Behältern, Lagern usw., sinnvoll ergänzen.

Im JRC-Bericht wird ein kohärentes, praxisbezogenes EU-weites Vorgehen empfohlen, um neue molekulare Technologien für die europäischen Überwachungs- und Durchsetzungsbehörden zugänglich zu machen.

Angestrebt wird die Förderung eines informierten Dialogs zwischen den verschiedenen Akteuren. Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

>> bessere Verbreitung einschlägiger Informationen und Empfehlungen bei allen Akteuren;

>> Gewährleistung des Zugangs von Analyselabors in den Mitgliedstaaten zu gemeinsamen Archiven mit Referenzdaten und anderen einschlägigen Informationen für die Analyse von Fisch und Fischerzeugnissen; diese Archive könnten ähnlich gestaltet sein wie die von der JRC betriebene "Fishtrace"-Datenbank (www.fishtrace.org);

>> Schaffung eines Netzes zertifizierter Testlabors, die Analysen für Kontroll- und Vollzugszwecke durchführen und harmonisierte, validierte Analyseprotokolle untereinander austauschen;

>> umfassende Schulung von Inspektoren und Laborpersonal in der ordnungsgemäßen Handhabung von Proben und der Durchführung von Analysen.

Anhand von Daten zu über 100 berichteten Fällen nimmt die JRC derzeit eine Kosten/Nutzen-Bewertung vor, um die praktische Einführung der betreffenden Technologien zu erleichtern. Die Kosten vieler dieser Technologien, insbesondere von DNA-Analysen, sind inzwischen deutlich gesunken.

Hintergrund
Zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Fischerzeugnissen und zur Bekämpfung illegaler Fischereipraktiken forciert die Kommission derzeit die Umsetzung der IUU-Verordnung, nach der für alle Seefischereierzeugnisse eine validierte Fangbescheinigung vorzulegen ist. Für die Validierung der Bescheinigungen sind die Behörden der Mitgliedstaaten zuständig. Kontrolltechnologien nach dem Stand der Technik, wie sie im neuen JRC-Bericht beschrieben werden, können zu diesem Prozess beitragen.

Die "Slow Fish 2011" findet vom 27. bis zum 30. Mai in Genua (Italien) statt. Es ist die fünfte internationale Messe dieser Art, die alle zwei Jahre ausgerichtet wird und der Welt der Fische und den Meeresökosystemen gewidmet ist. Im Fokus der Diskussionen, Zusammenkünfte, Workshops und Verkostungen stehen die Themen nachhaltige Fischerei und verantwortungsvoller Fischkonsum.

Glossar
Genetik:
Erforschung der Vererbung und erblicher Variationen von Organismen. Im vorliegenden Fall die Erforschung genetischer Marker zur Bestimmung der Unterschiede zwischen Arten oder der Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen (Populationen) derselben Art.

Genomik: Erforschung einer Vielzahl von Genen oder genetischen Markern im Genom. Heutzutage ermöglicht die "Hochdurchsatz-Sequenzierung" die Sequenzierung großer DNA-Abschnitte (ganzer Genome) innerhalb kurzer Zeit.

Forensik: Wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der methodischen Sicherung und Analyse gerichtsverwertbarer Beweise befasst (kurz gesagt: Anwendung wissenschaftlicher Analysen zur Unterstützung strafrechtlicher Ermittlungen). (Europäische Kommission: ra)


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäische Kommission

  • Autonomie im Bereich Halbleitertechnologien

    Die Europäische Kommission hat eine mit 920 Mio. EUR ausgestattete deutsche Beihilfemaßnahme für die Errichtung einer neuen Halbleiterfertigungsanlage in Dresden nach den EU-Beihilfevorschriften genehmigt. Die Maßnahme wird Infineon in die Lage versetzen, das MEGAFAB-DD-Vorhaben abzuschließen, mit dem die Produktion einer großen Bandbreite unterschiedlicher Chips ermöglicht werden soll.

  • Harmonisierte gemeinsame Vorschriften

    Die Europäische Kommission begrüßt die zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat erzielte vorläufige Einigung über die gezielte Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie. Die geänderte Abfallrahmenrichtlinie wird eine Kreislaufwirtschaft in der gesamten EU fördern, insbesondere durch die Förderung von Innovationen und den Übergang zu nachhaltigeren Industrie- und Verbraucherpraktiken.

  • Aktionsplan für bezahlbare Energie

    Die Energierechnungen werden durch eine Kombination von drei Hauptelementen bestimmt: Energieversorgungskosten im Zusammenhang mit dem Gesamtverbrauch, den Netzkosten sowie den Verbrauchsteuern und -abgaben. Die Energieversorgungskosten hängen von den Großhandelspreisen ab, die wiederum von verschiedenen Faktoren wie Angebots- und Nachfragebedingungen, Energiemix, Verbindungsleitungen, Wettbewerb zwischen Energieerzeugern und anderen Marktakteuren, Wetter und geopolitische Realitäten sowie Einzelhandelswettbewerb unter den Anbietern bestimmt werden.

  • Modells der "drei Verteidigungslinien"

    Die EU-Kommission hat beschlossen, die Aufgaben des unabhängigen Risikovorstands zu erweitern. Dieser soll künftig alle Finanztransaktionen - einschließlich der Mittelaufnahme-, Schuldenmanagement-, Liquiditätsmanagement- und Darlehenstransaktionen sowie der Haushaltsgarantien - und alle verwalteten Vermögenswerte der Union überwachen. Risikovorstand ist seit 2021 Iliyana Tsanova.

  • Warum der (EU)-Deal für eine saubere Industrie

    Die Dekarbonisierung ist von entscheidender Bedeutung. Wie im Draghi-Bericht hervorgehoben wird, ist eine gut in die Industrie-, Wettbewerbs-, Wirtschafts- und Handelspolitik integrierte Dekarbonisierungsstrategie ein starker Wachstumsmotor. Deshalb braucht Europa einen auf Transformation ausgerichteten Wirtschaftsplan, in dem Klimaschutz, Kreislauforientierung und Wettbewerbsfähigkeit in eine übergreifende Wachstumsstrategie eingebettet werden.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen