Vertrauenssystem hat Belastungsgrenze erreicht


Die Studie "Cost of Failed Trust" zeigt, dass das Online-Vertrauen zu kippen droht
Angriffe und finanzielle Verluste nehmen zu und immer mehr Unternehmen sind unvorbereitet

(17.04.15) - Das Ponemon Institute und Venafi veröffentlichten die Studie "2015 Cost of Failed Trust" – die einzige globale Untersuchung, die die Auswirkungen von Angriffen auf das Vertrauenssystem des Internets analysiert. Der Studie zufolge glauben IT-Sicherheitsexperten auf der ganzen Welt, dass das Vertrauenssystem, das durch kryptographische Schlüssel und digitale Zertifikate geschaffen wird, seine Belastungsgrenze erreicht und damit die Sicherheit von Billionen von Dollar in der Weltwirtschaft gefährdet ist. Bei der diesjährigen Studie äußerte erstmals die Hälfte der mehr als 2.300 befragten IT-Sicherheitsexperten die Meinung, dass die vertrauensschaffende Technologie bedroht sei, die ihr Unternehmen für funktionierende Geschäftsabläufe braucht. Alle befragten Unternehmen mussten in den letzten beiden Jahren auf mehrfache Angriffe auf ihre Schlüssel und Zertifikate reagieren.

Die Studie 2015 Cost of Failed Trust wurde in Australien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten durchgeführt. Als einzige Studie ihrer Art untersucht sie das digitale Vertrauenssystem, von dem die Weltwirtschaft abhängig ist. Wie die diesjährige Studie zeigt, beläuft sich in den nächsten beiden Jahren das Risiko durch Angriffe auf Schlüssel und Zertifikate für jedes Global-5000-Unternehmen auf mindestens 53 Millionen USD – eine Summe, die sich im Vergleich zu 2013 um 51 Prozent erhöht hat. Seit vier Jahren in Folge geben 100 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie mit mehreren Angriffen auf Schlüssel und Zertifikate konfrontiert waren, und Sicherheitslücken wie Heartbleed haben ihren Tribut gefordert. 60 Prozent der Studienteilnehmer stimmten der Aussage zu, dass ihre Unternehmen besser auf Sicherheitslücken bei Schlüsseln und Zertifikaten wie etwa Heartbleed reagieren müssen.

"Die Befürchtung, dass das Online-Vertrauen kippt, zieht sich als roter Faden durch die diesjährige Studie. Und das ist auch kein Wunder. Führende Sicherheitsforscher von FireEye, Intel, Kaspersky und Mandiant und viele weitere stellen laufend fest, dass der Missbrauch von Schlüsseln und Zertifikaten eine wichtige Komponente von APTs und cyberkriminellen Aktivitäten ist", so Kevin Bocek, Vice President of Security Strategy and Threat Intelligence bei Venafi. "Jedes Unternehmen, ob es sich darüber bewusst ist oder nicht, ist von kryptographischen Schlüsseln und digitalen Zertifikaten abhängig, um seine Geschäftstätigkeit aufrechterhalten zu können. Ohne das Vertrauen, das Schlüssel und Zertifikate schaffen, kehren wir in die ‚Steinzeit’ des Internets zurück – und wissen nicht mehr, ob wir einer Website, einem Gerät oder einer mobilen Anwendung Vertrauen schenken können oder nicht."

Weitere Ergebnisse der Studie "2015 Cost of Failed Trust":

>> Nicht nur die Risiken nehmen zu, sondern auch die Anzahl der Schlüssel und Zertifikate:
In den letzten beiden Jahren stieg die Zahl der Schlüssel und Zertifikate, die in Infrastrukturen wie Webservern, Netzwerk-Appliances und Clouddiensten eingesetzt werden, um mehr als 34 Prozent auf fast 24.000 pro Unternehmen. Mit der Verwendung von immer mehr Schlüsseln und Zertifikaten werden diese zu einem immer besseren Angriffsziel. Gestohlene Zertifikate werden im Untergrund für fast 1000 USD pro Stück gehandelt, und der Preis hat sich innerhalb nur eines Jahres fast verdoppelt. Die Sicherheitsforscher bei Intel gehen davon aus, dass das Interesse der Hacker schnell wächst.

>> Die Unternehmen wissen weniger denn je darüber Bescheid, wo und wie sie ihre Schlüssel und Zertifikate verwenden: In der diesjährigen Studie räumten 54 Prozent aller Unternehmen ein, dass sie nicht wissen, wo sich sämtliche Schlüssel und Zertifikate befinden und wie sie eingesetzt werden. Das führt zwangsläufig zu der Frage: Wie kann ein Unternehmen dann wissen, was vertrauenswürdig ist und was nicht?

>> Sicherheitsprofis haben Angst vor einem Ereignis, das einer Krypto-Apokalypse gleichkäme: Als alarmierendste Bedrohung wird ein Szenario angesehen, in dem die Standardalgorithmen zur Schaffung von Vertrauen, wie RSA und SHA, über Nacht kompromittiert und ausgenutzt werden. In diesem Fall wären alle Transaktionen, Bezahlvorgänge, mobilen Anwendungen sowie eine wachsende Zahl von Gegenständen im Internet der Dinge mit einem Schlag nicht mehr vertrauenswürdig. Eine solche Krypto-Apokalypse, wie Forscher auf der Black Hat 2013 ein derartiges Szenario nannten, würde Heartbleed im Hinblick auf Umfang, Komplexität und Dauer der Problemlösung weit in den Schatten stellen.

>> Wachsende Besorgnis gilt auch der missbräuchlichen Verwendung von Zertifikaten im Mobilbereich: Der Missbrauch von Zertifikaten für Unternehmensanwendungen wie WiFi, VPN und MDM/EMM beunruhigt Sicherheitsexperten zunehmend. In der Rangfolge der alarmierendsten Bedrohungen rangiert diese direkt hinter einem krypto-apokalyptischen Ereignis. Sicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit Zertifikaten im Mobilbereich wurden als das zweitgrößte Risiko und als diejenigen Ereignisse eingestuft, die den größten Gesamtschaden verursachen können – beziffert auf mehr als 126 Millionen USD. Da die Zahl der mobilen Geräte und Anwendungen in Unternehmen rasant zunimmt, überrascht es nicht, dass die Sicherheitsexperten diesbezüglich besonders besorgt sind.

Ergebnisse speziell für Deutschland - gefragt wurden 574 Sicherheitsverantwortliche aus folgenden Branchen: Financial Services, Behörden, Industrie, Chemieunternehmen, Logistik, Pharma- und Biotech-Unternehmen

Es sind in jedem Unternehmen durchschnittlich 19.000 Keys und Certificates vorhanden (3.000 mehr als in 2013)

Auf dem Schwarzmarkt liegen die Preise pro gestohlenem Software-Zertifikat bei rund 1.000 Euro

Es gab mehr Angriffe auf Unternehmen in Deutschland als in jedem anderen untersuchten Land (Frankreich, England, USA, Australien) - meist handelte es sich um Man-in-the Middle-Angriffe

35 Prozent aller befragten deutschen Unternehmen wussten nicht, wo ihre Keys und Zertifikate aufbewahrt werden

Gefragt nach den größten Gefahren im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Keys und Software-Zertifikaten nannten die deutschen Unternehmen "Enterprise Mobility Zertifikate-Missbrauch" bei WiFi, VPN und MDM/EMM. Darüber hinaus sagten sie auch, dass die steigende Nutzung mobiler Geräte Einfallstore für Hacker darstellen - dies ist den deutschen Sicherheitsverantwortlichen bewusst.

Als vier einfache Schritte für die Security Teams empfiehlt Venafi folgendes:

1. Die Sicherheitsverantwortlichen sollten wissen, welche Keys und Zertifikate vorhanden sind und wo
2. Die Teams sollten Keys und Zertifikate managen, Policies festlegen, wie Black- und Whitelisting und damit die Security in diesem Bereich automatisieren
3. Die Sicherheitsverantwortlichen sollten immer wissen, welchen Zertifikaten getraut werden darf: dies erreicht man mit einem kontinuierlichen Monitoring und Reputationscheck für alle vorhandenen Keys und Software-Zertifikate
4. Verwundbare Keys und Zertifikate umgehend reparieren bzw. ersetzen

Über die Studie "Cost of Failed Trust" 2015
Die Studie "2015 Cost of Failed Trust" untersucht, welche genauen finanziellen Folgen bösartige Angriffe auf das Vertrauenssystem haben, die Fehler bei der Verwaltung kryptographischer Schlüssel und Zertifikate ausnutzen. Für die Studie wurden 2.371 IT-Sicherheitsexperten befragt. Die Studie beziffert nicht nur die Kosten dieser "Trust Exploits", sondern demonstriert auch, wie mangelhaftes Schlüssel- und Zertifikatsmanagement in Unternehmen Kriminellen Tür und Tor öffnet. "2015 Cost of Failed Trust" ist die einzige öffentlich verfügbare Untersuchung zum Umfang und zur Bandbreite solcher Angriffe. 59 Prozent der Studienteilnehmer sind in Unternehmen mit mindestens 5.000 Mitarbeitern tätig. Die größten vertretenen Sektoren sind Finanzdienstleistungen (17 Prozent), Behörden (11 Prozent), professionelle Dienstleistungen (8 Prozent), Konsumgüter (7 Prozent) und Einzelhandel (7 Prozent). Die Umfragedaten wurden im Januar 2015 vom Ponemon Institute erhoben.
(Venafi: ra)

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Meldungen: Studien

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    Mit Inkrafttreten der EU-Verordnung zur digitalen operationellen Resilienz (DORA) Mitte Januar 2025 stehen Finanzinstitute unter Zugzwang: Sie müssen ihre IT-Sicherheit aufgrund der herrschenden Gefahrenlage entlang eines Katalogs an Maßnahmen auf einen zeitgemäßen Stand der Technik bringen. Eine aktuelle Studie von Veeam Software, dem weltweit führenden Anbieter für Datenresilienz nach Marktanteil, hat bei betroffenen Organisationen den Status Quo bei der Umsetzung abgefragt. Darin zeigt sich: Eine Mehrheit der deutschen Finanzdienstleister hält die hauseigene Resilienz noch nicht für ausreichend. 95 Prozent der über 100 befragten deutschen Unternehmen sehen noch Verbesserungsbedarf, um die Anforderungen zu erfüllen.

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    Eine aktuelle Studie von Qualys in Zusammenarbeit mit Dark Reading zeigt: Trotz wachsender Ausgaben und zunehmender Relevanz in Vorstandsetagen bleibt das Cyber-Risikomanagement vieler Unternehmen unausgereift. Der Grund: Der geschäftliche Kontext fehlt.

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