Kampf gegen Geldwäsche ist Technologiefrage


FATF: Deutschland hat im Kampf gegen Geldwäsche weiter Nachholbedarf
"Im Kampf gegen Finanzkriminalität ist der technologiebasierte Informationsaustausch ein entscheidender Teil der Lösung"




Statement von Tobias Schweiger, CEO des Anti-Geldwäsche-Softwareunternehmens Hawk AI

Die internationale Anti-Geldwäsche-Organisation FATF hat ihren Bericht zur ersten Prüfung Deutschlands nach zehn Jahren vorgelegt. Das Fazit: Deutschland hat im Kampf gegen Finanzkriminalität und Geldwäsche Fortschritte gemacht, ist aber noch längst nicht dort, wo es sein könnte.

Im Vorfeld der FATF-Veröffentlichung stellte Finanzminister Christian Lindner seine Pläne vor, die Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzkriminalität in Deutschland grundlegend zu reformieren und die Kompetenzen dazu an zentraler Stelle zu bündeln. Von einem Bundesfinanzkriminalamt ist die Rede. Doch was bedeuten FATF-Bericht und die Lindner-Pläne für Banken und Zahlungsdienstleister? Wie werden sie die erwartbar höheren Anforderungen und technischen Hürden für effektivere Geldwäschebekämpfung meistern können?

Tobias Schweiger ist Mitgründer und CEO von Hawk AI. Als Experte für Geldwäschebekämpfung hat Schweiger das große Bild im Blick. Schweiger sagt: "Der FATF-Bericht über den Stand der Geldwäscheprävention in Deutschland sollte für die Bankbranche in Deutschland und Europa ein Weckruf sein. Wer künftig noch mit den Softwarelösungen der Nullerjahre agiert, bringt sich unnötig in Schwierigkeiten. Beim Neustart im Kampf gegen Geldwäsche und Finanzkriminalität muss die Technologiefrage, gerade auch für den datenschutzkonformen Informationsaustausch endlich als entscheidender Teil der Lösung verstanden werden. Nur mit mehr Personal und noch aufwändigeren Compliance-Prozessen wird sich nicht viel mehr tun als in den letzten zehn Jahren."

Tobias Schweiger erklärt weiter:
>> Der FATF-Bericht ist ein Weckruf für die Politik - insbesondere der Nicht-Finanzsektor, also Immobiliengeschäfte aber auch Glücksspiel, stehen im Fokus.

>> Die Beurteilung der deutschen Fähigkeiten zur effektiven Geldwäschebekämpfung durch die FATF, ist für Brancheninsider nicht überraschend. Seit geraumer Zeit ist klar, dass Deutschland in zu kleinen Schritten vorankommt.

>> Deutschland schneidet insbesondere beim Informations-Management nicht gut ab. Es ist klar, dass der Informationsfluss zwischen Behörden im föderalen System und mit der FIU mangelhaft ist. Die Abarbeitung von Verdachtsfällen innerhalb der FIU ist mehrfach kritisiert worden. Unser Transparenzregister zur Feststellung von wirtschaftlich Berechtigten ist dabei nicht optimal aufgestellt.

>> Die von Minister Lindner angekündigten drei Säulen unter der Oberbehörde "Bekämpfung Finanzkriminalität / BBF" sind eine Antwort auf die erwarten Feststellungen der FATF. Unter einem zentralen Dach soll: erstens ein neues Bundesfinanzkriminalamt (BFKA) komplexe Ermittlungen durchführen und Sanktionen durchsetzen und beides auch international koordinieren. Zweitens soll die bestehende FIU besser arbeiten können, auch durch mehr Analysefähigkeiten und damit IT. Drittens soll eine neue Behörde die Koordination und Konsolidierung der Aufsicht im Nicht-Finanzsektor übernehmen.

>> Lindners Überschriften "Bessere Ausbildung" der Ermittler in den Behörden sowie "Digitalisierung und Vernetzung der Register” sind beide aus meiner Sicht unstrittig.

>> Um den FATF-Bericht beurteilen zu können, ist eine Feststellung wichtig: Deutschlands Geldwäscheprävention hat viel zu lange den technischen Möglichkeiten im Kampf gegen Finanzkriminalität nicht das gleiche Gewicht gegeben, das es den organisatorischen Verbesserungen eingeräumt hat. Meine Befürchtung ist, dass dies auch so weiter gehen wird – jedenfalls ist das in der bisherigen Kommunikation nicht anders zu erkennen.

>> Die Bestrebungen zur Digitalisierung der Register – und wie ich hoffe, der Aufsichtsprozesse und Analysefähigkeiten – ist richtig und ein guter Startpunkt. Wir sehen jedoch auch gerade im Finanzsektor, also bei Banken oder Zahlungsdienstleistern, die Notwendigkeit die Digitalisierung und den Informationsfluss zu verstärken. Eine große Herausforderung ist dabei, dass Finanzinstitute Informationen über kriminelle Muster nicht miteinander teilen können.

>> Dabei sind die ersten Schritte bereits getan: 2019 wurde die Gründung der "Anti Financial Crime Alliance" (AFCA) unter Beteiligung von FIU, Bafin und BKA verkündet. Es wirkt aber leider so, als ob wir hier deutlich langsamer vorankommen als z.B. die Niederlande oder Singapur. Auch wenn es gute Ansatzpunkte gibt: So fördert das Bundesministerium für Wirtschaft z.B. im Rahmen des Financial Big Data Cluster (FBDC), ein Projekt mit Fokus auf "Information Sharing”, das wir seitens Hawk AI inhaltlich begleiten. Zudem hat die FATF während der deutschen Präsidentschaft von Marcus Pleyer, die strategische Initiative "Information Sharing and Data Pooling" ins Leben gerufen, die genau auf diesen Punkt abzielt.

>> Für uns ist dabei klar: Deutschland braucht schnell eine datenschutzkonforme Basis für den Informationsaustausch unter Banken und anderen Teilnehmern des Finanzmarktes, damit wir in der Digitalisierung des Kampfes gegen Finanzkriminalität nicht noch weiter gegenüber anderen Ländern zurückfallen. (Hawk AI: ra)

eingetragen: 20.09.22
Newsletterlauf: 20.10.22

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